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Editorial | 18. August 2018

Der Sommer und seine Risiken

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat im Juli ihre Jahreszahlen für 2017 vorgelegt. Das Fazit der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen fällt beinahe positiv aus: Das Unfallrisiko bei der Arbeit ist erneut zurückgegangen. Lediglich die Zahl der Fälle von ­arbeitsbedingtem hellen Hautkrebs, verursacht durch zu viel UV-Strahlung, ist gestiegen.

© Petra Reger

Eine Ursache: Der bis heute noch weit verbreitete Leichtsinn im Umgang mit dem größten Sinnesorgan des Menschen, kritisiert Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV: Der Verzicht auf Hautschutz nicht nur in der Freizeit, sondern auch während der Arbeit habe verheerende Folgen, die allerdings oft erst 20 bis 30 Jahre später auftauchen. Die jedes Jahr zu verzeichnenden Neuerkrankungen vieler Menschen an hellem Hautkrebs spiegeln das auch für 2017 wider: Knapp 4 000 Fälle von arbeitsbedingtem hellen Hautkrebs wurden festgestellt.
Um das zu ändern, muss laut Breuer mit Mythen ­aufgeräumt werden – Aussagen wie »bewölkter Himmel schützt vor UV-Strahlen« gehören ins Reich der Legenden. Wie das Risiko zu bewerten ist und wie effizienter Hautschutz im Sommer aussehen kann, hat die bauSICHERHEIT im »Top-Thema« der Juni-Ausgabe ausführlich beleuchtet: Mit Produkten, Lösungen und Best-Practice-Beispielen. Dass aber noch ein weiter Weg zu gehen ist, zeigt sich in der Praxis.
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft ist da auf dem richtigen Weg: Mit dem bundesweiten Aktionstag »Rette Deine Haut« waren die Präventions-Profis in den Bau-Ausbildungszentren der Republik unterwegs und haben den Nachwuchs von der Wichtigkeit des UV-Schutzes überzeugt (die bauSICHERHEIT war vor Ort, siehe Bericht auf Seite 74). Im Gespräch mit dem Bau-Nachwuchs zeigt sich nämlich schnell: Viele Unternehmen kommen ihrer Verpflichtung nicht oder nur unzureichend nach, ihren Mitarbeitern entsprechenden Schutz zur Verfügung zu stellen. Dabei müssten sie dafür gerade mal 20 bis 30 Euro pro Mitarbeiter und Jahr in die Hand nehmen, rechnen Hautschutz-Hersteller wie Deb-Stoko vor.
Natürlich liegen die realen Kosten darüber, wenn nach dem »TOP«-Prinzip zunächst technische, dann organisatorische und eben personenbezogene Maßnahmen ergriffen werden, um Mitarbeiter vor zu viel aggressiver UV-Strahlung zu schützen. Das dürfte aber gut angelegtes Geld sein: Erstens sollte den Unternehmern die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ein hohes Gut sein; und wer sich in dem Bereich einen guten Namen macht, dürfte darüber hinaus bei der Suche nach Fachkräften und Nachwuchs erfolgreicher sein als andere. Zweitens sinken durch wirkungsvolle Prävention die Beiträge, die Unternehmen an die Berufsgenossenschaften entrichten müssen. Derzeit sind es laut DGUV je 100 Euro Lohnsumme 1,16 Euro, ein Minus von zwei Cent.
Jeder Euro, der das Arbeiten auf der Baustelle ­sicherer macht, ist in jedem Fall ein gut angelegter Euro. Immer wieder ein leuchtendes Beispiel für den richtigen Umgang mit zuvor sorgfältig beurteilten Risiken sind die Industriekletterer, denen sich das »Top-Thema« dieser ­Ausgabe widmet: Mit Lösungen, Produkten und Dienstleistungen, die dafür sorgen, dass wie alle Profis rund um die Baustelle auch die Höhenarbeiter jeden Abend gesund nach Hause kommen.
Eine anregende Lektüre wünscht, ganz in diesem Sinne,

 

 

 

Jan Rieken
Chefredakteur