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deb-stoko | 9. Juni 2018

Sonne, Staub & Co: Hautschutz soll zur Männersache werden

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Wenn es um den professionellen Schutz beruflich stark beanspruchter Haut geht, führt an Deb-Stoko kaum ein Weg vorbei. Das Unternehmen ist 2014 aus dem Zusammenschluss der einstigen »Chemischen Fabrik ­Stockhausen & Company« in Krefeld mit der britischen Deb-Group entstanden, gehört heute zur US-amerikanischen SC Johnson-Group und ist einer der führenden Anbieter von Hautschutzsystemen. Doch ganz unabhängig von den Eigentumsverhältnissen steht heute, mehr als 100 Jahre nach der Gründung von Stoko, am Firmensitz in Krefeld eine zentrale Frage im Raum: Wie kann man ­insbesondere Männer dazu bewegen, ihre Haut besser zu schützen? Die ­bauSICHERHEIT war vor Ort und hat darüber mit den Hautschutz-Experten gesprochen.

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Von Jan Rieken
Besonders über die Sommermonate arbeiten viele Profis am Bau im Freien, sehr oft mit freiem Oberkörper und immer noch viel zu oft ohne den geeigneten UV-Schutz. So lässt sich die Einschätzung von Dr. Wolfgang Röcher zusammenfassen, der bei Deb-Stoko für die wissenschaftliche Kommunikation verantwortlich ist. »Haben Sie schon mal gesehen, dass auf der Baustelle zwei Männer sich gegenseitig den Rücken eingecremt haben?«, fragt er mit einer Mischung aus Ironie und Resignation. Die Antwort: Natürlich nicht…
Doch das zu ändern ist eine der Hauptaufgaben, für die sich nicht nur er, sondern alle Mitarbeiter bei Deb-Stoko verantwortlich fühlen. Den täglichen Einsatz für die gesunde Haut beschreibt ein Satz, der im Unternehmen nicht als Motto angesehen wird, sondern als Mission: »Jede Hand zählt bei der Arbeit.«
Von missionarischem Eifer ist man in Krefeld indes weit entfernt, von einer Beschränkung auf die Hände ebenfalls. Aber: Die Zahl der berufsbedingten Hauterkrankungen steigt und steigt, sie stehen an erster Stelle bei den gemeldeten beruflich bedingten Erkrankungen. Um dem entgegenzuwirken, geht es bei Deb-Stoko darum, »das Unsichtbare sichtbar zu machen«, sagt Johannes Sitzmann, CEO von Deb Europe und Managing Director von Deb-Stoko Europe. Und dafür setzen sich alle Mitarbeiter mit einer großen Leidenschaft ein – immerhin ist die Haut das größte Organ des Menschen.

Forschungsergebnisse im Alltag nutzbar machen

Mit einer eigenen Entwicklungsabteilung und engen Kooperationen mit der Wissenschaft setzt Deb-Stoko auf ein tiefgreifendes Know-how. Ver­anstaltungen wie der seit 25 Jahren etablierte »Internationale Hautschutztag« (die bauSICHERHEIT berichtete in Heft 6/17, Seite 42) sind dabei Herzstück eines Austauschs, an dessen Ende das Ziel steht, jede Erkrankung nach Möglichkeit zu vermeiden. Heraus kommt ein umfangreiches Sor­timent an Produkten für Pflege, Schutz, Reinigung und Hygiene, die sich an den unterschiedlichsten Herausforderungen der ebenso unterschiedlichs­ten Zielgruppen orientieren.
Allen Anwendungsbereichen gemeinsam ist ein vierstufiger Ansatz, der von Hautschutz: (schon vor der Arbeit), Reinigung (während oder nach der Arbeit) über Handhygiene (vor, während und nach der Arbeit) zur Hautpflege nach getaner Arbeit reicht. Als Standard im industriellen Hautschutz haben die Krefelder daraus die »Drei Momente des Hautschutzes« abgeleitet: Anwendungen vor der Arbeit (Moment 1), währenddessen bzw. nach dem Händewaschen (Moment 2) und die Hautpflege nach der Arbeit (Moment 3).

Vorbeugende Pflege macht Haut weniger anfällig

Welche Bedeutung die einzelnen Momente haben, demonstriert Wolfgang Röcher an einem simplen Experiment mit einem Klötzchen aus Styropor: Auf die halbe Oberfläche trägt er »Travabon« auf – ein Klassiker aus dem Sortiment von Deb-Stoko. Die andere Hälfte bleibt unbehandelt. Ein Tropfen Aceton aus einer Pipette richtet auf der vorbehandelten Seite keinerlei Schaden an. Auf der unbehandelten Seite frisst sich das Lösungsmittel sofort ein und hinterlässt ein Loch so groß wie eine Weintraube. »Man kann sich also ausmalen, wie die menschliche Haut es findet, mit Aceton gereinigt zu werden«, sagt Röcher. Dabei wirkt er nicht belehrend, sondern will einfach einen Effekt aufzeigen, der vielen einfach so nicht bewusst ist – und damit das Unsichtbare sichtbar machen.
Dabei erläutert der Spezialist für Wissenschafts-Kommunikation, was genau passiert, wenn Hände oder andere Körperpartien dreckig werden: Partikel setzen sich in die Hautporen und lassen sich mal mehr, mal weniger gut von dort wieder wegbringen. Genau hier setzt der »Moment 1« im Dreiklang des Hautschutzes an: Mit wenig Aufwand, nämlich durch einfaches Einschmieren, lässt sich dem vorbeugen. So ist die Haut bereits geschützt, bevor mit der Arbeit begonnen wird: je nachdem gegen Öle, Farben, Lösungsmittel und dergleichen mehr.

Effizientere Reinigung durch Vorbehandlung

Auch der »Moment 2«, also die Reinigung während oder nach der Arbeit, lässt sich an die jeweilige Herausforderung anpassen. Im Versuch mit Röcher kommt eine ölige Schmiere zum Einsatz und später eine Lackfarbe, deren Reste sich bei entsprechender Vorbehandlung (dieses Privileg wurde dem Berichterstatter zuteil) mit einer halben Tasse Wasser wieder abwaschen lassen. Ganz im Dienste der Wissenschaft bzw. der Kommunikation darüber und eindeutig wider besseres Wissen hat Versuchsleiter Röcher auf diesen Schritt verzichtet. Auch er bekommt zwar die Hände dank der entsprechenden Reinigungs-Produkte wieder sauber – aber er braucht bedeutend mehr Wasser und vor allem mehr Zeit.
Damit die menschliche Haut als größtes Organ des Menschen ihre Schutzfunktion optimal erfüllen kann, bedarf sie – und das ist »Moment 3« – auch in den Phasen geringerer Beanspruchung der Pflege. So lässt sich in Phasen ­ohne dauernde Belastung dafür sorgen, dass sich keine Risse bilden. Rissige Haut hat nicht nur Schmutzpartikeln, sondern auch Pilzen und sonstigen Erregern relativ wenig entgegenzusetzen. Für alle Phasen der schützenden Pflege hat Deb-Stoko erprobte und be­währte Produkte, die immer noch weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der Anwender angepasst werden. Kein Hersteller habe ein breiteres Sortiment, heißt es auf mehreren Folien und auch im Gespräch.

Welche Bedeutung die »Drei Momente des Hautschutzes« haben, lässt sich an einem simplen Experiment mit einem Klötzchen aus Styropor demonstrieren: Auf die halbe Oberfläche wird »Travabon« aufgetragen – ein Klassiker aus dem Sortiment von Deb-Stoko. Die andere Hälfte bleibt unbehandelt. Ein Tropfen Aceton aus einer Pipette richtet auf der vor­behandelten Seite keinerlei Schaden an. Auf der unbehandelten Seite frisst sich das Lösungsmittel sofort ein und hinterlässt ein Loch so groß wie eine Weintraube. © Jan Rieken / bauSICHERHEIT

Eigene Spender sorgen für Pflege mit System
Doch nicht nur an Cremes und Lotionen wird emsig geforscht: Mit einer eigenen Fertigung für Spendersysteme, die auch im eigenen Haus entwickelt werden, setzt Deb-Stoko bei der Hautpflege auf eine Lösung im Gesamtsystem. Im Bereich der Industrie, wo die Krefelder in ganzen Waschraum-Konzepten für Konzerne wie Volkswagen ihren größten Umsatz machen, sind dabei Lösungen entstanden wie der mobile Spender, der dort steht, wo auch die Menschen sind, die ihn nutzen sollen: Am Werkstor, neben der Zeiterfassung, in der Kantine oder zwischen Sozialraum und Arbeitsplatz. Natürlich sind auch die Waschräume mit entsprechenden Produkten und Spendern ausgestattet.
Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist der »smarte« Spender. Er ermöglicht eine gruppenweise Auswertung des Nutzungsverhaltens, erfasst also ­Daten über Nutzungsgrad und -häufigkeit, die sich dann gruppenweise aufschlüsseln lassen. »Der Datenschutz sieht vor, dass eine personenbezogene Auswertung nicht vorgenommen werden darf, aber gruppenweise dürfen entsprechende Rückschlüsse gezogen werden«, erläutert CEO Sitzmann. Gruppenweise bedeutet dann in etwa so viel wie »die Spätschicht hat sich zu selten die Hände gewaschen«.
Insbesondere für Tätigkeiten wie in der Gesundheitsbranche oder der Lebensmittelherstellung, bei denen es auf einen hohen Hygiene-Standard bei der Haut- und Handpflege ankommt, lassen sich mit diesen Erkenntnissen gezielt Befragungs-, Schulungs- und Aufklärungskampagnen planen. Mit der Datenerfassung gehe es nicht darum, versteckt eine Kontrolle auszuüben, sondern vielmehr auch hier das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Ein weiterer großer Nutzen des Systems liegt darin, dass sich »smarte« Spender mit einem Sensor ausstatten lassen, der einen möglichen Leerstand an ein zentrales System meldet. Geht also das vom Spender ausgegebene Produkt zur Neige, weiß der Verantwortliche sofort, was wo zu tun ist. Bei großen Objekten mit vielen Spendern, ob Flughafen oder Messegelände, bedeutet dies eine Ersparnis an Aufwand, Zeit und Wegen.

Raue Hände als Zeichen von Fleiß?

Bedeutend schwieriger ist es, darüber sind sich die Haut-Profis im Gespräch mit der bauSICHERHEIT im Klaren, passende Lösungen für die Herausforderungen am Bau zu finden: Auf manchen Baustellen haben nicht einmal alle dort Beschäftigten Zugang zu fließendem Wasser. Auch die Wege ändern sich dauernd und unter den Beteiligten wird die Bereitschaft, etwas für den Hautschutz zu tun, als unmännlich oder überflüssig verspottet. Bei Handwerkern gelten raue Hände als Beleg dafür, dass man ordentliche Arbeit leistet und in der Lage ist, fest zuzupacken…
»Als die Gurtpflicht eingeführt wurde, gab es ähnliche Akzeptanz-Probleme«, sagt CEO Sitzmann und verweist erleichtert auf die heute hohe Umsetzungsrate: Der Griff über die Schulter und der anschließende Klick hätten sich doch bei den meisten so etabliert, dass es weder ein Zögern noch ein dauerndes Hinterfragen des Anschnallvorgangs gebe.
Damit Gleiches auch auf dem Bau in Sachen Hautschutz und UV-Vorsorge eintritt, ruhen bei Deb-Stoko einerseits die Hoffnungen auf der jüngeren Generation, die möglicherweise die »Alten Hasen« zu einem Umdenken und mehr Sensibilität im Umgang mit ihrer Haut bewegen könnten. Gleichzeitig werden auch in diesem Bereich alle Anstrengungen unternommen, das Unsichtbare sichtbar zu machen – zum Beispiel durch ein Video mit Mitarbeitern der Firma Strabag, die direkt auf der Baustelle mittels einer Infrarot-Kamera den »Vorher-Nachher-Effekt« eines wirkungsvollen UV-Schutzes erleben, erkennen und dann auch in eigenen Worten kommentieren.

Risiko von Hautkrebs minimieren

Es geht um die Erkenntnis, dass Sonnenlicht einerseits die Haut bräunt und wichtig ist zur Bildung von Vitamin D im Körper. Allerdings sind die UV-Strahlen auch gefährlich für die Haut: Zuviel UV-Strahlung ­fördert die Bildung von Hautkrebs, wie zahlreiche Studien in den letzten Jahren bestätigt haben. Sogenannte »Outdoor Worker«, also Personen, die sich berufsbedingt viel im Freien aufhalten, haben ein ungleich höheres Hautkrebsrisiko als z. B. Büro­angestellte – dies konnte bei Untersuchungen eindeutig belegt werden.
Seit dem Jahr 2015 sind daher bestimmte Formen des hellen Hautkrebses gesetzlich als Berufskrankheiten anerkannt (siehe auch »Schutz für die wichtigsten zwei Quadratmeter des Lebens« auf Seite 20). UV-Schutzcremes sind neben der Schutzbekleidung ein wichtiger Präventionsfaktor. Hier sollen hochwer­tige, pflegende Produkte schützen: »Stokoderm Sun Protect 50 PURE« schützt, mit dem Lichtschutzfaktor 50, vor besonders intensiver Sonneneinstrahlung. Die Lotion enthält ein hochwirksames UV-A- und UV-B-Filtersystem und schützt so vor Sonnenbrand und anderen Hautschäden, auch an besonders gefährdeten Hautpartien. Im Unterschied zur Sonnenmilch aus dem Drogeriemarkt bietet sie auch Schutz vor der etwa beim Schweißen auftretenden UV-C-Strahlung.

Deb-Stoko stellt nicht nur die Pflegeprodukte her, sondern entwickelt und fertigt auch die dafür benötigten Spender selbst. Hängen z. B. in einem Wasch­raum mehrere Spender mit ­unterschiedlichen Produkten, erleichtert ein Farbleitsystem
die Wahl. © Messe Düsseldorf / ctillmann

Botschaften sollen unter die Haut gehen
In der Vermittlung solcher Erkenntnisse setzt der Hersteller sowohl in seinen Videos als auch bei allen anderen Produkten wie Plakaten, Flyern und dergleichen auf eine sehr emotionale Ansprache, um das Thema mit positiver Energie aufzuladen und die Anwender dazu zu bringen, etwas für den Schutz ihrer Haut zu tun. »Das beste Produkt nutzt nichts, wenn es nicht angewendet wird« – diese Erkenntnis formulieren unabhängig voneinander sowohl Wissenschaftskommunikator Röcher als auch CEO Sitzmann.
Eine Möglichkeit ist, den Weg zur Wahl des richtigen Produktes zu vereinfachen. Hier setzt Deb-Stoko neben einem Produktfächer, der für jede Berufsgruppe und Anwendung die darauf abgestimmten Produkte nennt, auf digitale Helfer, allen voran eine App: Sie ist der »Außendienstler für die Tasche« und gibt anhand der Nutzerangaben Tipps, mit welchen Produkten der wirkungsvolle Pflege-Dreiklang zu erreichen ist. »Wir verstehen uns als Partner, um die Hautprobleme des Kunden zu lösen«, erklärt Röcher und weist damit den Weg über das reine Produkt hinaus: Zum Service des Herstellers ge­hören auch Trainings mit den bereits be­schrieben Versuchen, aber auch das Erstellen von Hautschutzplänen inklusive der geforderten Risikobewertung sowie die Gewinnung von Daten und deren Auswertung bei den »smarten« Spendersystemen.
Um insgesamt die Akzeptanz für Schutz und Pflege beanspruchter Haut zu steigern, setzt der Hersteller zudem einen momentanen Trend in der Neu- und Weiterentwicklung seiner Produkte um: Die Nachfrage nach Schaum-Produkten. Ob Des­infektion oder Reinigung – »Schaum ist die derzeit beliebteste Darreichungsform für Handreinigungsmittel«, erläutert Wolfgang Röcher. Als Ergebnis dieser Erkenntnis hat Deb-Stoko zum Beispiel »Solopol GFX« entwickelt, den nach eigenen An­ga­ben weltweit ersten schaumbasierten Grob-Handreiniger.
Ansonsten versucht der Hersteller den Spagat zwischen Wissenschaft und Praxis, beispielsweise beim Zusatz von Duftstoffen: Rein von der Wirksamkeit her wären sie verzichtbar, jedoch erhöht ein guter Geruch die Akzeptanz – und damit die Anwendung eines Produktes – enorm. »Unser Ziel ist, Produkte herzustellen, die bei gutem Geruch frei sind von Allergenen«, beschreibt Wolfgang Röcher die Aufgabenstellung. Sitzmann ergänzt: »Wir sind eigentlich Hersteller kosmetischer Produkte, die von ihrer Funktion her Teil der PSA sind und entsprechenden Richtlinien unterliegen. Der Anwender allerdings erwartet Standards wie zuhause.«

Best-Practice-Beispiel für UV-Schutz aus England

Wie wirkungsvolle Maßnahmen für mehr Sonnenschutz auf der Baustelle aussehen können, zeigt der Mutterkonzern Deb in England mit einer Kampagne: Dort werden direkt neben den Bauwagen Plakat­tafeln gehängt, auf denen ein Zeiger die zu erwartende UV-Belastung anzeigt und die gleichzeitig Empfehlungen über den geeigneten UV-Schutzfaktor sowie die Häufigkeit der Anwendung geben. Ein integrierter Spiegel erleichtert das Eincremen der Gesichts-Partie.
Denn – und wer sollte das besser wissen als die Engländer: Auch bei bewölktem Himmel ohne direkten Sonnenschein bedarf die Haut des Schutzes vor UV-Strahlen. Auch hier geht es Deb-Stoko darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen.

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