bauSICHERHEIT

Ausgabe Juni 2018

 

UV-Strahlung – unsichtbar und unterschätzt

Die sozialen Netzwerke sind voll mit irgendwelchen Filmchen, bei denen mehr oder minder waghalsige oder bestenfalls kreative Vorgehensweisen auf Baustellen in aller Welt zu sehen sind. Erst vor wenigen Tagen ploppte eine Filmsequenz auf, die offensichtlich auf einer Baustelle in Asien entstand: Zu sehen waren zwei Gerüstbauer, die einen Wolkenkratzer eingerüstet haben – in schwindelerregender Höhe, ohne jegliche Sicherung gegen Absturz und barfuß! Zwar hatten die beiden Akteure einen Helm auf, was aber unter diesen Umständen fast schon als Ironie aufzufassen ist (es sei denn, der Helm hätte als Sonnenschutz gedient). Als Halterung für eine Kamera war er jedenfalls nicht im Einsatz, denn ein »Kollege« hatte in dieser Situation offensichtlich sogar noch eine Hand frei, um das Ganze mit dem Smartphone zu filmen.

Zugegeben: So ein Video, zumal wenn es verbreitet, geteilt und geliked wird, kann auf mehr oder minder unterhaltsame Weise zeigen, wie man es nicht macht. Ohnehin sind meist Arbeitsumgebungen zu sehen, die auf Baustellen in Osteuropa oder Asien schließen lassen. Doch trotz Sensationslust und dem Wunsch nach Nervenkitzel: Ein Menschenleben ist überall auf der Welt gleich viel wert. Wie schwer es ist, dieses durch einheitliche Standards bei der Arbeits­sicherheit zu schützen, zeigen nicht erst die Bilder und Berichte über katastrophale Arbeitsbedingungen auf den FIFA-Baustellen dieser Welt, vor allem bei den Stadion-Bauten im Wüstenstaat Katar. Immerhin: Innerhalb der EU soll schon bald eine zentrale Arbeitsbehörde die Einhaltung sozialer Rechte durchsetzen. Denn von 500 Millionen EU-Bürgern arbeiten inzwischen 16 Millionen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat, etwa doppelt so viele wie noch vor elf Jahren. Den Planungen zufolge wird die »ELA« ab 2019 ihre Arbeit aufnehmen und ab 2023 voll einsatzfähig sein.
Wenn es aber darum geht, bei der Arbeit vor Ort Leib und Leben zu schützen, kommt es nach wie vor auf den Menschen an: Jeder Profi am Bau sollte die Risiken, die die Situation auf »seiner« Baustelle mit sich bringt, kennen. Um Gefahren aller Art besser einschätzen zu können, bietet zum Beispiel die »ArbeitsSicherheit Schweiz« in Bern einen Sicherheitsparcours mit sieben Stationen, den wir in dieser Ausgabe ebenso vorstellen wie die zu erwartenden Hersteller-Highlights an zeit­gemäßen Lösungen und Produkten.
Einem leider immer noch oft unterschätzten Risiko widmen wir uns ebenfalls in dieser Ausgabe: Der steigenden UV-Belastung und dem Weißen Hautkrebs, den sie auslöst. Wie nötig auf lange Sicht der richtige Schutz ist und welche Möglichkeiten es gibt, zeigen die Beiträge zum Top-Thema »Sicherheit im Sommer«. Vielleicht bereichern ja demnächst einige Videos von Männern, die sich auf der Baustelle gegenseitig den Rücken eincremen, die einschlägigen Portale. Das hätte auf jeden Fall ein »like« verdient!
Einen schönen Sommer und eine interessante ­Lektüre wünscht

Jan Rieken
Chefredakteur